AugeWeb.jpgDas Festival ist zu Ende, und der Nach-Festival-Frust dauerte komischerweise gar nicht mal so lang, als ich mich beim Aufräumen Samstag Nacht vier Stunden fluchend fragte, warum ich mir das noch und immer wieder antue … Aber in dieses Loch bin ich jetzt noch jedes Mal gefallen, und am nächsten Tag schaut eh alles wieder anders aus. Ein paar Gedanken …

Man kann sagen, film:riss 06 war ein Erfolg. Zumindest vom Publikumszuspruch her war es einer. Wenn jeden Abend ein geschätzter Durchschnitt von über 300 BesucherInnen den Weg an ein Filmfestival finden, und zudem noch in Salzburg, dann kann sich das durchaus sehen lassen und spricht natürlich auch für unsere lieben Gäste!

Das Finanzielle ist natürlich immer eine andere Angelegenheit. Wir hatten gehofft, dass sich eine erhöhte Besucherzahl auch in eine erhöhte Konsumation in unserem Festivalcafé niederschlagen wird. Dem war nicht so. Obgleich wir deutlich mehr BesucherInnen als letztes Jahr hatten, sind die Einnahmen im Festivalcafé nicht wirklich groß gestiegen. Wir merken, dass wir hier vermutlich an ein Limit stoßen, mit dem wir auch in Zukunft rechnen und schätzen müssen. Auch glaube ich nicht, dass sich die Besucherzahl beliebig stark steigern lässt. Wie gesagt, 300 bis 400 Menschen pro Abend ist schon wirklich sehr sehr viel. Es wird vermutlich schwierig genug sein, dieses Level zu halten.

Leider ist es noch so, dass wir auf diese Festivalcafé-Einnahmen angewiesen sind. Sie sollten rund ein Drittel unseres Budgets ausmachen – wir müssen insgesamt für Kosten von rund 20′000 Euro aufkommen. Wir haben zwar viele Partner mit an Bord – denen natürlich herzlichsten Dank gebührt! –, jedoch bedeutet nicht jedes Logo auf dem Plakat, dass hier gleich vierstellige Summen im Spiel sind. Meistens fließt sowieso kein Geld, sondern es ist ein Gegen-Deal oder wir müssen einfach weniger zahlen. Aber zahlen müssen wir trotzdem… Die Finanzierung ist eine wirklich mühsame und Nerven kostende Angelegenheit. Und am Ende hat man natürlich nie soviel in der Tasche wie man möchte, und man muss Abstriche machen, bei Sachpreisen, beim Angebot, bei den Mitarbeitern, bei einem selbst. Leider gibt das dann bspw. bei Förderstellen den Eindruck, dass es ja eh auch so geht. Natürlich geht es auch so. Aber ich glaube nicht, dass Freundschaftsdienste und Selbstausbeutung zu einer gesunden Finanzierung gehören. Liebhaberei, ja! Aber nicht um jeden Preis.

Etwas muss ich hier noch anmerken: Bei uns ist alles kostenlos, die Filmabende, die Workshops, das Symposium, die Ausstellung – sogar das Chili con carne am Samstag Abend für das Special Screening von „Im Westen nur Bohnen“… Wir tun also vieles, um den Aufenthalt so gemütlich und günstig wie möglich zu machen. (Leider können wir keine Fahrt- und Nächtigungskosten für unsere TeilnehmerInnen übernehmen, dazu fehlt uns das Geld. Deshalb versuchen wir, das mit guten Unterkunftsdeals oder dem ÖBB-Eventticket ein wenig auszugleichen). Es ärgert mich deshalb noch heute, dass sich eine doch größere Gruppe von film:riss-Gästen am Eröffnungsabend an unserem Getränke-Lager bereicherte. Hätte ich einen Sicherheitsdienst gehabt, hätt ich die Leut mit Tritten in den Arsch rausschmeißen lassen. So blieb es eben nur beim Festivalverweis, mit der Bitte bzw. Aufforderung, sich die vier Tage nicht mehr bei uns blicken zu lassen. Ich meine, ist doch wahr: jetzt ist eh alles schon kostenlos, und dann geht man klauen!? Das ist doch letztklassig.

Etwas frage ich mich auch noch – und dann höre ich schon auf mit der Suderei: die Medien. Wir haben gute Medienpartner, die auch ganz fleißig sind. Aber heuer schien man sich sonst nicht wirklich für das Festival zu interessieren. Es gab vor dem Festival sogar eine APA-Aussendung, aber darauf irgendwie keine Rückmeldung (oder wir haben sie nicht mitgekriegt). Vor allem nach dem Festival – die Medienmitteilung ging am Sonntag nach dem Festival raus – passierte gar nichts. Keine Rückmeldung. Nicht mal Salzburger Medien wollten verkünden, dass Salzburger Filme einen RIESEN-Erfolg in diesem österreichweiten Wettbewerb hatten (von sechs Siegerfilmen kommen vier aus Salzburg!). Von den Medien bzw. Medienschaffenden, die sich die Filmkultur an die Brust heften, ganz zu schweigen. Wir haben eingeladen, telefoniert, Emails geschrieben, erinnert. Nix. Ich bin hier nicht sauer oder gekränkt, aber ich frage mich ernsthaft, ob ein Festival, das den jungen talentierten österreichischen Film (re-)präsentieren möchte, für die Medien schlicht und einfach uninteressant ist?!

Natürlich geht es auch ohne Medien. Aber eine Öffentlichkeit ist halt auch ganz schön. Jetzt weniger für uns und mich persönlich, das ist mir ziemlich egal. Aber es geht ja um die Sache, um die studentische Filmkultur, die ja doch was zu bieten hat und schön kreativ und sehr spannend ist. Dass das einfach niemanden interessiert, kann und will ich irgendwie nicht glauben.

Wenigstens haben die Studierenden selber – wie ich den Eindruck hatte, kamen die meisten BesucherInnen aus dem Studenten-Milieu – dafür gesorgt, dass die film:riss-Plattform wahrgenommen wird. Ich finde das film:riss-Publikum mittlerweile doch ein ganz cooler Haufen! Er ist guter Dinge, sehr interessiert, friedsam und freundlich. Das gibt den Festivaltagen ihre eigene, sehr charmante und familiäre Atmosphäre. Ich danke jeder und jedem, der/die zu diesem Charme beiträgt!

Ein Mitglied eines anderes Filmfestivals – das Ohne-Kohle-Filmfestivals in Wien – machte mit Stefan und mir am Abschlussabend ein kleines Interview. Entsprechend der Ohne-Kohle-Philosophie stellte er wie in jedem Interview die abschließende Frage: „Und? Lohnt es sich?“ Meine Antwort war: Wenn ich am Donnerstag Abend im Wettbewerb der Kategorie Kunstfilm sitze, der Hörsaal ist gefüllt, die Menschen sitzen da und schauen sich eine Stunde lang Experimentalfilme an, was manche vielleicht öfters tun, andere wiederum fast gar nie, und sie beklatschen jeden einzelnen Beitrag. Und beim Siegerfilm „Arbeit 2.0“ bebt der Saal für kurze, aber wichtige 10 Sekunden, weil das Publikum so begeistert ist vom Film. Das sind Momente, für die sich jede Sekunde Vorbereitung lohnt. Da seien mir die kurzen fluchenden vier Stunden Post-Festival-Frust bitte verziehen …

Dominik Tschütscher