2 weeks after
30 Nov 2007 at 11:23 am | in: News
(Fast) zwei Wochen ist’s jetzt her seit film:riss 07. Mir kommt es vor wie ein halbes Jahr. Deshalb, wie auch im letzten Jahr, ein kurzer Nachblick, bevor alles wieder vergessen ist.
film:riss 07 ist ohne Probleme, erfolgreich und irgendwie routiniert zu Ende gegangen. Ich persönlich kann komischerweise gar nicht sagen, wie gut oder weniger gut das Festival insgesamt gewesen ist. Ich muss mir die Feedbacks von außen holen. Für mich war das Jahr bis zum Festival gefüllt mit Emotionen, Niederlagen, Spannungen, Erfolge, Nerven. Am Dienstagabend, 13. November, als wir die Ausstellung in der Galerie 5020 und das film:riss-Festival eröffneten, war es dann nur noch wie ein Druck auf den roten Knopf: Jetzt geht’s los, das Ding läuft, und ist nach vier Tagen auch wieder zu Ende. Dazwischen hofft man, dass alles rund läuft und die BesucherInnen das Festival wahr- und annehmen.
Am Sonntag war mir, als ob das Festival nicht erst gestern, sondern bereits Wochen her ist. Das hat aber auch etwas Gutes: Ich bin dieses Jahr in kein Loch des kurzfristigen Post-Festival-Frustes gefallen wie im letzten Jahr. („Macht das alles Sinn?“, „Wird das Festival überhaupt ernst- und wahrgenommen?“, „Geht sich das finanziell aus?“ …). Am Sonntag um 7 in der Früh, nach Abbau und Aufräumen, saßen wir bei einem Glas Sekt auf der wieder leeren, Couch-losen Uni, und ich dachte mir: So, welche Ideen gibt’s für film:riss 08? Dass film:riss 07 gar nicht so stark nachklang, sollte mich vielleicht skeptisch stimmen. Oder das Festival ist einfach so verlaufen, wie ich es mir gedacht und erhofft habe, und daher mit wenigen bleibenden Überraschungen und Emotionen verlaufen.
Es gibt Einsichten für ein nächstes Mal:
– Hinsichtlich Atmosphäre scheint die Universität immer noch ein geeigneter Ort zu sein, um dieses Festival zu veranstalten. In den insgesamt sieben film:riss-Jahren, drei davon nun österreichweit, kam heuer zum ersten, und bislang einzigen, Mal von einem Gast das Feedback, wie scheiße er es findet, dass die Filme nicht im Kino, sondern im unbequemen Hörsaal gezeigt werden. (Der Gast hat so ziemlich alles kritisiert (die Filme, die Jury, die Siegerfilme, das Publikum) und nach einer halben Stunde kritischen Feedbacks sagte er: „Und dann tut ihr noch so auf ‚Alles kostenlos und freier Eintritt!’, aber verlangt 2,20 Euro für ein Bier – das ist doch scheiße!“ – man nehme es mir nicht übel, aber nach dieser Aussage war meine Geduld am Ende).
Natürlich können wir auf der Uni nie eine Kinosaal-Atmosphäre schaffen. Aber ich bin mir nicht sicher, ob wir das für unser Festival auch unbedingt müssen. Ein paar bequeme Sitzpolster wären vielleicht nicht schlecht (Sponsoren?). Und in einem der Hörsäle muss unbedingt eine neue, und bessere Beamer-Lampe her (die bei den Tests im Herbst noch ok war, aber dann offenbar rapide nachließ). Aber sonst passt der Rahmen für ein Festival für Studierende ganz gut, finde ich.
– Es ist schwierig, etwas anzubieten, was nicht am Abend stattfindet. Beim Symposium am Freitag Nachmittag bspw. haben sich die Symposiums-TeilnehmerInnen anfänglich praktisch selber ihre Papers vorgetragen. Oder bei den Lectures am Samstagabend – immerhin zu einem sehr attraktiven Thema (Musikvideos) und von zwei führenden MusikvideomacherInnen des Landes (Sigi Fruhauf und Jakob Kubizek) – kam anfänglich auch nur ein, zwei Handvoll Menschen. Natürlich hätten wir auf mehr Interesse gehofft. Auf der anderen Seite ist es auch verständlich, dass wir von niemandem erwarten können, um 14 Uhr auf die Uni zu kommen und dann 12 Stunden beim Festival zu weilen. Aber offenbar gibt es hier keine Teilung der Festivalpräsenz („Ich schau mir zwei Stunden am Nachmittag an und komm dann vielleicht erst am Abend wieder“). Die Leute kommen und bleiben dann. Und sie tun das, wenn am meisten los ist und wenn es eben in den Tagesablauf hineinpasst: eher am Abend. Leider kann nicht alles in die Abende verpackt werden. Eine Reduzierung der Angebote wäre natürlich auch eine Lösung, aber das möchte ich eigentlich verhindern. Mir ist es wichtig, neben den Filmen auch andere Aspekte der Filmkultur zu präsentieren: in der Ausstellung, im Symposium, in den Lectures und Workshops. Diese müssen wir irgendwie auf die vier Tage verteilen, auch untertags.
– Das Festival braucht mehr Geld. Eh klar. Diese Forderung ist nicht neu, aber sie muss immer wieder gesagt werden. Fakt ist immer noch: Wir können bspw. keine Siegesprämien aussprechen (etwas, was immer wichtiger, wenn gar nicht entscheidend für den Fortbestand und die Relevanz des Festivals ist), oder wir können unseren TeilnehmerInnen immer noch keine Fahrten oder Nächtigungen übernehmen. D.h. wir zeigen zwar die Filme der StudentInnen, aber nach Salzburg einladen können wir sie nicht – das ist in der Festivallandschaft eigentlich ein ziemliches Armutszeugnis, und schadet dem Festival auch sehr. Zudem wäre es nur fair, die FilmemacherInnen, von deren Inhalte und Filme wir ja leben, auch einladen zu können.
– Eine der schönsten Einsichten für mich war: Die Festivalgäste kommen, um sich die Filme anzuschauen! Wir hatten heuer zum ersten Mal bereits zu den Wettbewerbsprogrammen um 19 Uhr viele BesucherInnen, was uns zeigt: Die Leute kommen vor allem bzw. grundsätzlich auch wegen den Filmen. Wir hatten an zwei Tagen bei den Wettbewerbsprogrammen gleich viel oder gar mehr Besucher wie dann in den späteren Panorama-Schienen, was ziemlich überraschend war. Wichtig ist und bleibt also, das Filmprogramm qualitativ interessant zu gestalten, so dass unsere Gäste auch wirklich das sehen, was wir vorgeben zu zeigen: das beste, das die studentische Filmkultur des Landes zu bieten hat!
– Die lokale Salzburger Filmlandschaft könnte stärker integriert werden. Ins Filmprogramm nehmen wir alle Filme, die wir in irgendeiner Form interessant finden. Da behandeln wir Filme aus Salzburg gleich wie Einreichungen, die von außerhalb kommen. Und da fallen manche eben leider auch durch. Nichtsdestotrotz könnten und sollten wir den lokalen Ausbildungsstätten die Möglichkeit geben, sich zu präsentieren, sich stärker einzubringen. Vielleicht in eigens zusammengestellten Programmen. Wie wir diese zeitlich unterbringen können, müssen wir uns überlegen.
Im Ganzen war’s also ein gutes Festival. Wir hatten technisch nur eine Panne bei einem einzigen Film (falsches Abspielformat), es lief alles, sogar zeitlich, mehr oder weniger nach Plan, es gab gute und spannende Siegerfilme, unsere Deko kommt offenbar jedes Jahr auch gut an (wiederum wurde Deko geklaut, und heuer von unfähigen Idioten leider auch ein film:riss-Award (wenn ich euch erwische, ihr Nichtsnutze, ihrs!)), unsere Jurymitglieder waren bester Dinge, und wir hoffen, dass sich auch die anwesenden TeilnehmerInnen und alle FestivalbesucherInnen wohl gefühlt haben. Über Feedback würden wir uns jedenfalls sehr freuen. Wir sehen ja manchmal selber nicht mehr, was wie funktionierte und was nicht. Vor allem jetzt, wo das Festival ja schon wieder gefühlte Monate her ist …
Allen, die mitgemacht haben und da waren: Danke!
Dominik
Festivalleitung
3 Kommentare zu “2 weeks after”
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Hallo Dominik,
ich finde es sehr schön, dass Du Deine Gedanken und Sorgen – und ich bin mir sicher Du sprichst für das gesamte Organisationsteam – darlegst und offen für Feedback und Kritik bist. Diese Möglichkeit möchte ich nützen, um eine Diskussion anzuregen.
Was ist film:riss?
Film:riss ist DAS Österreichweite STUDENT-INNEN Filmfestival!
Hörsaal oder Kinosaal?
In den letzten Jahren ist die Anzahl der Filmfestivals, und besonders der Kurzfilmfestivals, sehr gestiegen. Es ist also wichtig, sich von anderen Festivals abzuheben, um einzigartig und besonders zu sein und zu bleiben.
Film:riss ist einzigartig, ist besonders! Es ist das einzige nationale Filmfestival Österreichs, welches nur für Studierende ist. Selbst europaweit betrachtet steht film:riss nur wenigen ähnlichen Festivals gegenüber.
Die Idee der Verlegung des Festivals ins Kino ist natürlich nahe liegend; ich befürchte jedoch, dass das der besonderen film:riss Atmosphäre schaden könnte. Eines der markantesten Kennzeichen des Festivals würde damit verloren gehen.
Welcher Ort wäre passender Studentenfilme zu schauen und zu feiern als die Universität?
Das Festival Rahmenprogramm
Die Ausstellung in der galerie5020, die Workshops, die Lectures und das filmwissenschaftlichen Symposium zeigen, dass film:riss nicht nur ein Film-Fest, sondern ein Film-Festival ist. Aber warum scheinen die nachmittäglichen Veranstaltungen auf nur wenig Interesse zu stoßen?
Ist es die zu morgendliche Zeit? Haben die Lectures und das Symposium einen zu hohen Lehrveranstaltungscharakter? Sind die behandelten Themen zu uninteressant? Oder fehlen die Filmemacher selbst oder Interessierte auf dem Festival?
Vielleicht sollten Lectures bzw. Workshops auf die letzten drei Tage verteilt werden. Die Lectures könnten als Workshops für kleinere Gruppen, in kleineren Räumen (auch außerhalb der Uni) angeboten werden, da dadurch eine intensivere Auseinandersetzung und ein konzentrierteres Arbeiten möglich wird. (In den vorjährigen Workshops war das festzustellen). Das Symposium könnte etwas später stattfinden, zeitgleich mit den Workshops und – vielleicht - ins Foyer verlegt werden, um eine „Uni-Referat-Stimmung“ zu vermeiden.
Die Film-Auswahl
Die gezeigten Filme werden tatsächlich von Jahr zu Jahr professioneller. Die Siegerfilme des diesjährigen Festivals (vor allem in FiktionWettbewerb) waren sehr aufwendig und teuer produziert. Doch warum gab es diese Filme nicht schon früher bei film:riss?
In den letzten drei Jahren, in denen film:riss Österreichweit von Interesse wurde, stieg nicht nur die Einreicherzahl, sondern auch, - durch die Selektion -, die „Qualität“ der Filme. Doch was versteht film:riss unter „Qualität“? Wenn mit „das Beste“ professionell und teuer produzierte, von allen möglichen Institutionen geförderte Filme gemeint sind, so gab es sicherlich einen „Qualitätsschub“ seit film:riss national geworden ist. Doch möchte der film:riss Besucher wirklich nur „das Beste“ sehen und ist es überhaupt die Aufgabe eines Festivals, die Sehgewohnheiten des Publikums zu bedienen?
Und vielleicht noch wichtiger: Entspricht diese Entwicklung noch dem ursprünglichen Ziel des Festivals? Dem Ziel nämlich, studentischem Filmschaffen eine Plattform zu bieten, eigene Filme, die entweder zu Hause oder in den Regalen der Universitäten verstauben würden, einem Publikum zu zeigen?
Nein, dieses Ziel scheint entweder aus den Augen verloren gegangen oder aber bewusst verändert worden zu sein.
Die kleinen Filme, die im wahrsten Sinne des Wortes „experimentellen“ Filme, die zu Film gewordenen Schnaps- und Bierideen, die wirklich „kurzen“ Filme, die eher enden als sie begonnen haben, die Allesineinemmann Filme, die Filme, die der eigenen Schildkröte gewidmet sind und allen Nichtanwesenden für Verständnis danken, haben ihr Zuhause im film:riss verloren. Dabei sind gerade diese Filme, kennzeichnend für Studentenfilme: wenig oder gar kein Produktionsgeld, keine professionelle Erfahrung (wie auch?), kaum Förderungen, dafür aber meistens neue Ideen, unkonventionelle Erzählweisen, skurrile Blickwinkel.
Hier müsste man unbedingt einen Weg finden, wie eine möglichst große Bandbreite der studentischen Filmkultur Österreichs präsentiert werden könnte, ohne damit einen fairen Wettbewerb zu verhindern.
Vielleicht sollten dafür weitere Programmschienen eingeführt werden. Möglicherweise wäre es denkbar die Wettbewerbsschiene aller drei Kategorien in zwei Wettbewerbe zu teilen: Wettbewerb für Festival-Ersteinreichungen und Wettbewerb für Filme, die bereits an anderen Festivals gezeigt wurden. Somit würde man einen faireren Wettbewerb ermöglichen und zugleich mehrere Filme der Juri präsentieren. Andererseits könnte film:riss für die Ersteinreichungen „Sprungbrett“ sein und die erste Möglichkeit bieten in eine Film interessierte Öffentlichkeit zu treten.
Neben den beiden Wettbewerbsschienen und der Publikumsschiene könnten an vorlesungsfreien Nachmittagen die Einreichungen gezeigt werden, die es in keine Schiene geschafft haben. Die Idee von eigens zusammengestellten Programmen für Salzburger Einreichungen wäre da sicher ein guter Schritt in diese Richtung.
Was ich an dieser Stelle noch lobenswert herausheben möchte, ist die Tatsache, dass die Einreichbedingungen bei film:riss, was Format, Länge und Trägermaterial angeht, sehr offen sind. Erst dies ermöglicht ein vielschichtiges und breit gefächertes Programm.
Die Atmosphäre
Die Atmosphäre beim film:riss ist und war immer schon unverwechselbar: Gute Musik, stilgerechter Veranstaltungsort, schmackhaftes Bier, sympathische Bedienung, sehr schöne Programmhefte, entspannte Stimmung.
Äußerst schade ist jedoch, dass kaum ein Filmemacher am Festival vertreten ist. So bleibt die Möglichkeit verwehrt, den Film in Diskussion zu stellen und gegenseitige Kritik zu üben.
Ob dies tatsächlich nur am mangelnden Geld für Unterkunft und Anreise scheitert, glaube ich nicht. Sicher würden mehrere nach Salzburg fahren, wenn diese Kosten vom Festival gedeckt werden würden, aber es gibt meiner Meinung nach noch andere Gründe dafür. Ein Grund hängt mit der vorhin angeführten Qualitäts-Thematik zusammen. Wenn Filme mit hohem Professionalitätsgrad vor film:riss bereits bei anderen, größeren und renommierteren Festivals gezeigt wurden, steht das film:riss Festival hinten an; es ist eines von vielen. Da ist es verständlich, dass die Filmemacher nicht zu allen Festivals anreisen können. Der zweite Grund liegt vermutlich darin, dass die oft weite Anreise der Film- und TrailerbewerberInnen weder gewürdigt, noch erwähnt wird. Das „Willkommen Sackerl“ ist zwar wirklich nett und eine gute Idee, entschädigt aber nicht das Versäumnis der persönlichen Begrüßung durch die Festivalleitung.
Die Juri
Jedes Jahr hat film:riss eine hoch qualifizierte Juri eingeladen, die sich sehr entspannt und fair über die Filme ausspricht. Da ist es umso bedauernswerter, dass diese nicht anerkennender vorgestellt wird. Auch bei der Preisverleihung scheinen die JurorInnen und deren Kritiken nur Nebensache zu sein.
Ich finde die Preisverleihung sollte gleich nach dem jeweiligen Wettbewerb stattfinden - und nicht erst um Mitternacht - da zu dieser Zeit die meisten Besucher am Festival sind.
So, das wars. Mein Herz ist ausgeschüttet. Ist etwas lang und ausführlich geworden, aber ich musste es loswerden. Wenn schon die Medien nicht zahlreich über film:riss berichten, dann sollten wir zahlreich drüber reden, damit das film:riss Festival den Rückhalt erhält, den es sich redlich verdient.
Bleibt nur noch zu sagen, dass es wirklich bewundernswert ist, dass ausgerechnet Salzburg hier eine Vorreiterrolle einnimmt und dass es besonders lobenswert ist, dass es jedes Jahr aufs Neue mit so viel Freude und Engagement auf die Beine gestellt wird.
Dafür ein großes DANKESCHÖN.
Martin Prinoth
Hi Martin,
danke für deine Rückmeldung. Einige Anmerkungen:
– Zum Filmprogramm: In einem siehst du uns glaube ich falsch: Mit „das Beste“ ist nicht „professionell und teuer produziert“ gemeint. Es gibt genügend Beispiele im Festivalprogramm, wo nichts von beidem zutrifft. Du sprichst v.a. den diesjährigen Fiktions-Wettbewerb an. Aber in den letzten Jahren war nicht immer alles nur „teuer produziert“. Ich denke nur an film:riss 05 (2-Mann-Sommerprojekt „Wege“) oder den letztjährigen Siegerfilm „Lektion von alltäglichem Pathos“. Generell geben wir Filme in den Wettbewerb, wenn wir glauben, dass diese vor einer Jury bestehen. Und dafür ist „professionell und teuer“ kein ausschlaggebendes Kriterium. Auch nicht, ob Filme schon auf Festivals liefen oder Preise erhalten haben. (Wir haben bspw. auch schon Filme nicht ins Programm genommen, die auf der Diagonale liefen; im Gegensatz laufen bei uns natürlich auch Filme, die bei anderen Festivals nicht bestehen.)
Ob das Publikum „das Beste“ sehen möchte? Nun, ich möchte, dass das Publikum überhaupt etwas sieht. Und das, was es sieht (was ja eine Auswahl ist), mitunter auch kritisch betrachtet. Und sich natürlich auch gut unterhält. Aber Sehgewohnheiten will ich auf gar keinen Fall bedienen. Ich glaube, unsere Filmauswahl zeigt gerade immer wieder auch das Gegenteil.
Generell findet bei uns all das Platz, was in irgendeiner Form interessant ist. Das hat weder mit Förderungen, technischem Handwerk noch fettem Sound-Design zu tun. Das Gegenteil ist der Fall: sobald ein Film mit Handwerk prahlt, werden wir skeptisch. Sobald ein Film etwas Frisches mit sich bringt (wie heuer bspw. die Filme „Der zweitletzte Mensch“ oder „Haarscharf daneben“), werden wir hellhörig. „Neue Ideen, unkonventionelle Erzählweisen, skurrile Blickwinkel“ – wie du schreibst –, finden bei uns sehr wohl Platz. Wenn diese dann noch technisch gut umgesetzt sind, umso erfreulicher. Hapert es an der technischen Umsetzung, war das nie ein Grund, nicht berücksichtigt zu werden!
– Zur Festivalausrichtung: Unser Anspruch und Wunsch ist, dem studentischen Filmschaffen eine Plattform zu geben. Aber die Frage, die bei dir mitschwingt, ist: Soll ALLES, oder eine Auswahl davon, gezeigt werden? Bei einem österreichweiten Festival ist es einfach nicht möglich, alles zu zeigen. Dazu müssten wir Filmprogramme zeitgleich (so verpasst man Blöcke) oder auch nachmittags (kommt da Publikum?) laufen lassen – beides nicht ideal. Und ich glaube auch nicht, dass wir alles zeigen sollten. Wir geben dem studentischen Filmschaffen eine Plattform, indem wir dieses bewusst vorschlagen. Das bedingt eine Auswahl. Es war von uns eine bewusste (und wie ich finde richtige) Entscheidung, vom Werkschau-Charakter wegzukommen. Dass wir hier aber wieder Programme anbieten könnten/sollten, wo manch sonst Übersehenes drin Platz finden könnte (und so vielleicht wieder einen Werkschau-Charakter hineinbringen, bspw. bei lokalen Gschichten), finde ich sicherlich auch überlegenswert.
Im Übrigen war es in den ersten film:riss-Jahren immer wieder der Wunsch von Seiten der Jury, nicht alles gezeigt zu bekommen, sondern eine Auswahl zu erhalten. U.a. auch deshalb haben wir die Einteilung in Jurypreis und Publikumspreis. (Um jetzt nicht zu sagen, dass Panorama-Filme nicht vor einer Jury bestehen könnten! Das trifft sicherlich nicht zu. Einzelne Filme haben jedoch vor einer Jury keine Chance, da müssen wir realistisch bleiben.)
Über diese Einteilung kann man natürlich diskutieren. Ich persönlich finde sie gut und auch spannend. Dein Vorschlag der Einteilung in „Festival-Ersteinreichung“ und „bereits auf Festivals gespielt“ finde ich fragwürdig bzw. sagt das ja auch nichts aus über die Qualität eines Filmes. Filme, die weder im Wettbewerb noch im Panorama laufen, nachmittags zu spielen, bringt wohl auch nicht viel. Denn a) möchte ich keine Alibi-Vorstellungen nachmittags vor 10 Gästen, und b) würdest du dich freuen, offiziell nicht ins Festivalprogramm aufgenommen zu werden, aber dafür am Nachmittag gezeigt zu werden – nach dem Motto: Hauptsache, dein Film wird gespielt!? Ich finde das sehr fragwürdig, für die FilmemacherInnen eher unfair, und aus meiner Sicht als Festivalleiter auch irgendwie feige. Die Haltung „Hauptsache, die Filme werden gezeigt!“ mag die ersten vier Jahre zutreffend gewesen sein (einhergehend mit einer überschaubaren Anzahl an Einreichungen, die wir alle an einem Abend unterbringen konnten), aber ich finde es trotzdem richtig, dass wir für eine österreichweite Ausweitung davon abgekommen sind.
– Übrigens wurden die FilmemacherInnen begrüßt: Vor jedem Filmprogramm wurden die anwesenden TeilnehmerInnen begrüßt und vorgestellt. (Nicht so die TeilnehmerInnen des Trailer-Wettbewerbs, das haben wir versäumt). Genauso begrüßt und vorgestellt wurden unsere Jurys.
Wo ich noch keine Lösung gefunden habe: die Diskussion über die Filme. Ich bin immer noch sehr skeptisch, ob Frage-Antwort-Runden nach den Filmprogrammen in unserem Falle funktionieren. Im ersten Jahr wollten wir die Juryentscheidungen und die Filme besprechen, aber zu diesen „Jour Fixes“ kam kein Mensch. Aber es ist und bleibt ein Manko, dass unmittelbar nach der Filmpräsentation kein Q&A stattfindet. Wer hier einen sinnvollen Vorschlag hat, bitte melden!
– Der Grund, warum die Preisverleihung erst um Mitternacht stattfindet, ist schlicht: die Jury braucht nach dem Wettbewerbsblock Zeit, um sich zu beraten. Wie willst du gleich nach dem Wettbewerbsblock eine Preisverleihung abhalten? Dann müssten die JurorInnen die Filme schon vorher sehen. Aber wir wollen, dass sich die Jury die Filme gemeinsam mit dem Publikum live vor Ort anschaut. Danach müssen wir ihnen 1, 2 Stunden zur Beratung geben. (Besser wären 1, 2 Tage …). Unmittelbarer als Mitternacht geht fast nicht.
– Ach ja, zum Ort noch was: Es gibt in Salzburg einfach keinen geeigneteren Ort als die Uni. Das DAS KINO käme für mich als einziges Kino in Frage, aber wohin mit Gästen, die danach noch feiern wollen? Ab ins Republic, oder zur Uni, wo sich dann alles wieder zerläuft? Da bin ich eher skeptisch. Film-Präsentationen und Film-Feiern müssen am selben Ort geschehen. Und momentan gibt uns die Uni die einzige sinnvolle (und auch charmante) Möglichkeit, dies zu kombinieren, unabhängig ob jetzt 50 oder 200 Gäste da sind. Und zudem glaube ich, kommen jetzt viele BesucherInnen, die sonst nicht ins DAS KINO gehen würden – und das hat ja auch was Gutes: dass sich jemand Filme anschaut, die er/sie sonst nicht anschauen würde.
Sonst sind einige schöne Anregungen dabei, die auch immer wieder meine Gedanken kreuzen (bspw. Lectures im Foyer). Nochmals Danke! Jetzt haben wir ja wieder (fast) ein Jahr Zeit, um am Festival zu feilen
Liebste Grüße nach Hamburg!
Dom.
Hallo Dominik,
Ja, film:riss steht für „neue Ideen, unkonventionelle Erzählweisen, skurrile Blickwinkel“ offen und zeigt nicht ausschließlich Filme, die professionell und teuer produziert wurden;
Das weiß ich und das habe ich nie behauptet. Zudem, schließt sich beides keineswegs aus. Was ich geschrieben habe, sollte den Begriff „das Beste“ und die damit verbundenen „Qualitätssteigerung“ hinterfragen. Mein Interesse lag darin zu erfahren, inwiefern der „Qualitätsschub“ festzustellen ist, wenn doch die Auswahlkriterien dieselben geblieben sind.
War film:riss damals noch Werkschau mit Juripreis, ist film:riss heute ein Festival, welches mit einem Fuß noch im „Damals“ steht und den anderen in Richtung „konventionelles“ Festival ausstreckt. Dies erklärt sich aus der neuen Situation in der sich film:riss befindet, seit es national geworden ist. Die Diskussion, die ich hier anregen wollte, sollte die Frage klären, in welche Richtung das Festival jetzt in dieser entscheidenden Phase gehen sollte. Meine Vorschläge eine weitere Wettbewerbsschiene einzuführen und alle nicht ausgewählten Filme separat zu zeigen, sollten ein Versuch sein, sowohl das eine, als auch das andere zu ermöglichen und somit einzigartig zu sein.
Die Haltung „Hauptsache, die Filme werden gezeigt!“, die in den ersten vier Jahren bestand, wurde von den StudentInnen gut aufgenommen und sorgte für reges Erscheinen der Filmemacher und eines Film interessierten Publikums. Warum sollte es also jemanden stören, dass sein Film an einem Festival läuft, anstatt zu Hause zu verstauben? Die bloße Möglichkeit seinen eigenen Film auf einer großen Leinwand zu sehen, lässt das Herz eines jeden höher schlagen. Feig? Nein! Mutig!
Die Festivalteilnehmer und Festivaljuri werden jährlich begrüßt und vorgestellt, das ist offensichtlich, offensichtlich ist aber auch, dass die Präsentationen meistens im Lärm untergehen.
Damit die JurorInnen nicht selber um Ruhe zur Verkündung des Siegerfilms bitten müssen,
könnte die Preisverleihung in einem anderen Raum stattfinden (vielleicht im Vorraum des zweiten Hinterausgangs), wo gleichzeitig auch eine Filmbesprechung möglich wäre.
Mein Feedback sollte Annregungen geben. Zu entscheiden was davon brauchbar oder sinnvoll ist, bleibt natürlich Dir überlassen.
Mit Blick auf eine weiterhin kritische film:riss Zukunft, schöne Grüße, Martin.