(Fast) zwei Wochen ist’s jetzt her seit film:riss 07. Mir kommt es vor wie ein halbes Jahr. Deshalb, wie auch im letzten Jahr, ein kurzer Nachblick, bevor alles wieder vergessen ist.

film:riss 07 ist ohne Probleme, erfolgreich und irgendwie routiniert zu Ende gegangen. Ich persönlich kann komischerweise gar nicht sagen, wie gut oder weniger gut das Festival insgesamt gewesen ist. Ich muss mir die Feedbacks von außen holen. Für mich war das Jahr bis zum Festival gefüllt mit Emotionen, Niederlagen, Spannungen, Erfolge, Nerven. Am Dienstagabend, 13. November, als wir die Ausstellung in der Galerie 5020 und das film:riss-Festival eröffneten, war es dann nur noch wie ein Druck auf den roten Knopf: Jetzt geht’s los, das Ding läuft, und ist nach vier Tagen auch wieder zu Ende. Dazwischen hofft man, dass alles rund läuft und die BesucherInnen das Festival wahr- und annehmen.

Am Sonntag war mir, als ob das Festival nicht erst gestern, sondern bereits Wochen her ist. Das hat aber auch etwas Gutes: Ich bin dieses Jahr in kein Loch des kurzfristigen Post-Festival-Frustes gefallen wie im letzten Jahr. („Macht das alles Sinn?“, „Wird das Festival überhaupt ernst- und wahrgenommen?“, „Geht sich das finanziell aus?“ …). Am Sonntag um 7 in der Früh, nach Abbau und Aufräumen, saßen wir bei einem Glas Sekt auf der wieder leeren, Couch-losen Uni, und ich dachte mir: So, welche Ideen gibt’s für film:riss 08? Dass film:riss 07 gar nicht so stark nachklang, sollte mich vielleicht skeptisch stimmen. Oder das Festival ist einfach so verlaufen, wie ich es mir gedacht und erhofft habe, und daher mit wenigen bleibenden Überraschungen und Emotionen verlaufen.

Es gibt Einsichten für ein nächstes Mal:

– Hinsichtlich Atmosphäre scheint die Universität immer noch ein geeigneter Ort zu sein, um dieses Festival zu veranstalten. In den insgesamt sieben film:riss-Jahren, drei davon nun österreichweit, kam heuer zum ersten, und bislang einzigen, Mal von einem Gast das Feedback, wie scheiße er es findet, dass die Filme nicht im Kino, sondern im unbequemen Hörsaal gezeigt werden. (Der Gast hat so ziemlich alles kritisiert (die Filme, die Jury, die Siegerfilme, das Publikum) und nach einer halben Stunde kritischen Feedbacks sagte er: „Und dann tut ihr noch so auf ‚Alles kostenlos und freier Eintritt!’, aber verlangt 2,20 Euro für ein Bier – das ist doch scheiße!“ – man nehme es mir nicht übel, aber nach dieser Aussage war meine Geduld am Ende).
Natürlich können wir auf der Uni nie eine Kinosaal-Atmosphäre schaffen. Aber ich bin mir nicht sicher, ob wir das für unser Festival auch unbedingt müssen. Ein paar bequeme Sitzpolster wären vielleicht nicht schlecht (Sponsoren?). Und in einem der Hörsäle muss unbedingt eine neue, und bessere Beamer-Lampe her (die bei den Tests im Herbst noch ok war, aber dann offenbar rapide nachließ). Aber sonst passt der Rahmen für ein Festival für Studierende ganz gut, finde ich.

– Es ist schwierig, etwas anzubieten, was nicht am Abend stattfindet. Beim Symposium am Freitag Nachmittag bspw. haben sich die Symposiums-TeilnehmerInnen anfänglich praktisch selber ihre Papers vorgetragen. Oder bei den Lectures am Samstagabend – immerhin zu einem sehr attraktiven Thema (Musikvideos) und von zwei führenden MusikvideomacherInnen des Landes (Sigi Fruhauf und Jakob Kubizek) – kam anfänglich auch nur ein, zwei Handvoll Menschen. Natürlich hätten wir auf mehr Interesse gehofft. Auf der anderen Seite ist es auch verständlich, dass wir von niemandem erwarten können, um 14 Uhr auf die Uni zu kommen und dann 12 Stunden beim Festival zu weilen. Aber offenbar gibt es hier keine Teilung der Festivalpräsenz („Ich schau mir zwei Stunden am Nachmittag an und komm dann vielleicht erst am Abend wieder“). Die Leute kommen und bleiben dann. Und sie tun das, wenn am meisten los ist und wenn es eben in den Tagesablauf hineinpasst: eher am Abend. Leider kann nicht alles in die Abende verpackt werden. Eine Reduzierung der Angebote wäre natürlich auch eine Lösung, aber das möchte ich eigentlich verhindern. Mir ist es wichtig, neben den Filmen auch andere Aspekte der Filmkultur zu präsentieren: in der Ausstellung, im Symposium, in den Lectures und Workshops. Diese müssen wir irgendwie auf die vier Tage verteilen, auch untertags.

– Das Festival braucht mehr Geld. Eh klar. Diese Forderung ist nicht neu, aber sie muss immer wieder gesagt werden. Fakt ist immer noch: Wir können bspw. keine Siegesprämien aussprechen (etwas, was immer wichtiger, wenn gar nicht entscheidend für den Fortbestand und die Relevanz des Festivals ist), oder wir können unseren TeilnehmerInnen immer noch keine Fahrten oder Nächtigungen übernehmen. D.h. wir zeigen zwar die Filme der StudentInnen, aber nach Salzburg einladen können wir sie nicht – das ist in der Festivallandschaft eigentlich ein ziemliches Armutszeugnis, und schadet dem Festival auch sehr. Zudem wäre es nur fair, die FilmemacherInnen, von deren Inhalte und Filme wir ja leben, auch einladen zu können.

– Eine der schönsten Einsichten für mich war: Die Festivalgäste kommen, um sich die Filme anzuschauen! Wir hatten heuer zum ersten Mal bereits zu den Wettbewerbsprogrammen um 19 Uhr viele BesucherInnen, was uns zeigt: Die Leute kommen vor allem bzw. grundsätzlich auch wegen den Filmen. Wir hatten an zwei Tagen bei den Wettbewerbsprogrammen gleich viel oder gar mehr Besucher wie dann in den späteren Panorama-Schienen, was ziemlich überraschend war. Wichtig ist und bleibt also, das Filmprogramm qualitativ interessant zu gestalten, so dass unsere Gäste auch wirklich das sehen, was wir vorgeben zu zeigen: das beste, das die studentische Filmkultur des Landes zu bieten hat!

– Die lokale Salzburger Filmlandschaft könnte stärker integriert werden. Ins Filmprogramm nehmen wir alle Filme, die wir in irgendeiner Form interessant finden. Da behandeln wir Filme aus Salzburg gleich wie Einreichungen, die von außerhalb kommen. Und da fallen manche eben leider auch durch. Nichtsdestotrotz könnten und sollten wir den lokalen Ausbildungsstätten die Möglichkeit geben, sich zu präsentieren, sich stärker einzubringen. Vielleicht in eigens zusammengestellten Programmen. Wie wir diese zeitlich unterbringen können, müssen wir uns überlegen.

Im Ganzen war’s also ein gutes Festival. Wir hatten technisch nur eine Panne bei einem einzigen Film (falsches Abspielformat), es lief alles, sogar zeitlich, mehr oder weniger nach Plan, es gab gute und spannende Siegerfilme, unsere Deko kommt offenbar jedes Jahr auch gut an (wiederum wurde Deko geklaut, und heuer von unfähigen Idioten leider auch ein film:riss-Award (wenn ich euch erwische, ihr Nichtsnutze, ihrs!)), unsere Jurymitglieder waren bester Dinge, und wir hoffen, dass sich auch die anwesenden TeilnehmerInnen und alle FestivalbesucherInnen wohl gefühlt haben. Über Feedback würden wir uns jedenfalls sehr freuen. Wir sehen ja manchmal selber nicht mehr, was wie funktionierte und was nicht. Vor allem jetzt, wo das Festival ja schon wieder gefühlte Monate her ist …
;)

Allen, die mitgemacht haben und da waren: Danke!
Dominik
Festivalleitung