Die letztjährigen Preisträger der Kategorie Kunstfilm werden auch heuer wieder eingeladen, die film:riss-Ausstellung in der Galerie 5020 zu gestalten. Clemens Kogler gewann beim film:riss 06 Festival mit Arbeit 2.0 den Jurypreis, Marlies Pöschl mit Der berechnete Ton den Publikumspreis.

film:riss:präsentationen
MARLIES PÖSCHL – alles das, was ich nicht kann
CLEMENS KOGLER – Assoziationskörper
14. – 24. November 2007, DI - FR 14 – 18 Uhr, SA 10 - 13 Uhr
Eröffnung: 13. November 18.30 Uhr

galerie5020.
Sigmund Haffner Gasse 12/1
5020 Salzburg
+43 662 848817
office@galerie5020.at
www.galerie5020.at

MARLIES PÖSCHL

alles das, was ich nicht kann

in meinen neueren arbeiten beschäftige ich mich mit einer weit gefassten idee von performativität – abseits von performances, in denen die tatsächliche physische präsenz eines körpers notwendig ist – sondern vielmehr mit strategien, die als performativ im sinne von theoretikerInnen wie john austin oder judith butler verstanden werden können.

es sind sprachhandlungen – gesten der (selbst)ermächtigung oder aneignung. gesten, die ebenso wie performative sprechakte gerade dadurch möglich werden, dass sie bestimmte machtgefüge, die besonders stark fixiert scheinen, aufzubrechen versuchen. diese gesten scheuen jedoch nicht davor zurück, komisch oder gar peinlich zu wirken dadurch, dass sie auf den ersten blick hoffnungslos absurd erscheinen. zum teil sind die angesprochenen machtverhältnisse innerhalb der institutionen des kunstbetriebs angesiedelt, zum teil ist der begriff der institutionskritik aber auch weiter gefasst wie in der neuen videoarbeit „manova“.

In der Ausstellung zu sehen sind die Arbeiten:

  • manova
  • icoon te koop
  • short stay solutions
  • ich und sie

manova (2007, Video, 6 min)

bitte rufen sie uns nicht an! wir rufen sie an.

ausgangspunkt für das projekt manova ist der versuch, eine strategie zu finden, die es ermöglicht, herkömmliche mechanismen der kontrolle und beobachtung umzukehren. so dienten als basis für dieses video interviews, in denen ich mitarbeiter/innen von markt- und meinungsforschungsunternehmen über deren ansichten zu kunst und kunstsammlungen befragt habe.

sie möchten mich, den befrager, befragen?

es ist ein frage- und antwortspiel, das seine spannung gerade aus den unbeantworteten fragen und den ungefragten antworten bezieht. wenn fragen tatsächlich machtvolle sprachhandlungen sind, deren performative kraft daraus entsteht, dass sie das gespräch steuern und vom gegenüber immer eine reaktion verlangen – was passiert, wenn das verhältnis noch einmal kippt und der befragte plötzlich beginnt, zurückzufragen?

Marlies Pöschl
geb. 1982 in Mattsee, Salzburg, wohnhaft in Wien. Seit 2004 Studium Kunst und kommunikative Praxis (Universität für angewandte Kunst Wien; bei Prof. Erwin Wurm und Prof. Barbara Putz-Plecko) und Germanistik (Universität Wien). März 2007: Gesamtsiegerin shorts on screen 07. Februar – Juni 2007: Auslandssemester an der Hogeschool voor de kunsten, Utrecht (NL). August 2007: Stipendium des Landes Salzburg für die Sommerakademie Salzburg, Teilnahme an der Klasse von VALIE EXPORT. Diverse Ausstellungsbeteiligungen.
http://www.marlies-poeschl.at.tf/
info@marlies-poeschl.at.tf

CLEMENS KOGLER

Assoziationskörper

Herr Bar (2007, Video, 3 min) zeigt den Versuch eines Weltentwurfs: Gewächse, Getier, Landschaft und Architektur, aus fotografischen Reproduktionen von Körpern collagiert und in Bewegung versetzt. Spargelartig wachsen Fingerpflanzen, Handelefanten gehen zwischen Mundwolkenkratzern spazieren. Die beiden Allerweltsmotive des Landschaftsarchitekturbildes und des Körpers werden dabei zu einer Panoramafahrt durch eine völlig neue ästhetische Welt montiert. (Werbe-)Fotos von Körperteilen werden in diesem Musikvideo, das allein aus natürlichen Materialien, sprich dem menschlichen Körper besteht, zu surrealen Landschaften montiert. Irritierende Kunstwelten des Alltäglichen. Das Video wurde im Rahmen des Radarfestivals produziert, einem Wettbewerb für Musikvideos der Labels Warp, Tummy Touch, Domino.

Le Grand Content (2007, Video, 4 min) untersucht die allgegenwärtige Powerpointkultur auf ihr philosophisches Potenzial. Schnittmengen und Diagramme werden zu einem wahren Assoziationskettenmassaker zusammengestellt, das sich die Aufgabe stellt, alle Fragen des Universums und noch ein paar mehr zu beantworten und darin natürlich grandios scheitert, aber in diesem Scheitern dennoch ein paar bezaubernde Zwischentöne inmitten der großen Themen Tod, Kabel TV, Gefühle und Hamster erschafft.
„Le Grand Content ist ein subversives Unterfangen: Es führt vor, wie systematisch sich Desorientierung betreiben lässt, wie logisch Nonsens aussehen kann. Die übersichtliche Präsentation gewährleistet, der autoritativen Oberflächen zum Trotz, keinerlei Seriosität. Die Überzeugungskraft der grafischen Ableitungen ist exakt gleich groß wie ihre Absurdität. Die zart klingelnde Musik, die den Film umspielt, betont subtil das ihm zugrunde liegende Prinzip: die Melancholie des Apparats. Le Grand Content ist eine rare Arbeit, von trockenem Witz, ästhetischer Souveränität und lakonischer Präzision. In den vergangenen Wochen ist sie, aus all diesen Gründen, zu einem Überraschungshit auf der Digi-Clip-Website YouTube.com avanciert. Mit einer guten halben Million Zuschauer dürfte Le Grand Content bereits jetzt zu den meistgesehenen österreichischen Filmen der letzten Jahrzehnte zu zählen sein.“ (Stefan Grissemann)

Clemens Kogler

geb. 1980, aus Leonstein. Seit 1999 Studium an der Kunst-Universität Linz am Institut für Bildende Kunst und Kulturwissenschaften bei Ursula Hübner. Von 2002 bis 2004 war er als Cutter beim ORF tätig, zurzeit Lehrbeauftragter für visuelle Gestaltung (Animationsfilm) in Linz.
http://www.clemenskogler.net/